Politischer Aschermittwoch 2019

Am politischen Aschermittwoch der Kreis-SPD waren wir wieder einmal beteiligt. Die Texte von usnerem Poetryslam gibt es hier zum nachlesen.

Heimatliebe

von Lea Wolter

Was ich sehe?

Vor mir die lange Straße, die ich schon als Kind immer herauf und hinunter gerannt bin oder sämtliche Fahrgeräte erprobt habe.

Zu meiner linken ein altes Scheunentor, das natürlich nicht abgeschlossen ist – wer sollte hier schon was stehlen? Daneben beginnt direkt der Gartenzaun, der, ebenfalls eher als Dekoration, den gut gepflegten Schrebergarten umrahmt und der Natur einen geschönten Rahmen bietet.

Auf der rechten Seite befindet sich ein kleines Eigenheim. Ich denke da werden so zwei bis vier Zimmer auf der Straßenseite angebracht sein – genau kann ich es nicht erkennen, da die gesamte Fassade mit den Jahren von Efeuranken bedeckt wurde.

Ich hebe meinen Kopf an und sehe blau.

Einen strahlend blauen Himmel, dessen einzige zwei vorhandene Wolken wie gemalt aussehen.

Umrahmt zudem von einer Gebirgskette, die sich eigentlich in alle Richtungen in die man sieht übers Land erstreckt. Man muss einfach weit genug sehen, irgendwo ragt immer etwas in die Höhe.

Und wenn man ganz gut und Adleraugen besitzt – sieht man sogar Berggipfel die jetzt im Mai noch von Schnee überzogen sind.

Fast unvorstellbar wie hoch es dort sein muss..wenn ich hier stehe und die warmen 19 Grad im Schatten mit einer kleinen Brise Wind genieße.

Das oder so etwas ähnliches würde ich wahrscheinlich antworten, wenn mich jemand heute fragt, was ich unter Heimat verstehe.

Die gute Gesellschaft in meiner Umgebung, die Volksfeste die im Dirndl noch gleich viel mehr Spaß machen oder das gute Bier – natürlich aus Forchheim.

Die guten Schmankerl in den Biergärten, die unfassbar schöne Landschaft oder die Familie zu der man immer einkehren kann.

Ausnahmezustände bei denen Terror und Angst die Menschen umher reißen, brennende Häuser, schwindende deutsche Sprache oder ständige Pöbeleien wohin man geht – würde ich zumindest nicht als Standard bezeichnen und ehrlich, wird es das auch niemals sein.

Wenn ich mal fünf Minuten zu spät zur Arbeit komme, da der Busfahrer verschlafen hat – gründe ich doch auch keine Partei und verklage den öffentlichen Dienst, mit dem Argument „mein Zug kam doch auch noch nie pünktlich!“

Meine Heimat lasse ich mir weder von Hetzern noch von besorgten Bürgern zerstören.

Denn ich verstehe heute noch viel mehr – was wahre Heimatliebe bedeutet.

#DieseJungenLeute

von Paul Wichtermann

Wenn ich das schon höre…
Wir sollen am besten schon mit 10 drei Sprachen sprechen,
im Ausland studiert haben,  die Lebenserfahrung ist ja wichtig…
Aber trotzdem sind wird doch nur dumm, ungebildet, frech und egoistisch…
Da passt es auch nicht ins Bild,
dass wir doch protestieren,
für gerechte und nachhaltige Klima Politik…
Ich mein, ernsthaft jetzt?
Nein wir sollen doch lieber im AOL bleiben,
für jene, die’s nicht wissen, arbeiten ohne Lehrer, effektiv unbetreutes Rumgammeln, während der Unterrichtszeit
Das schönt ja auch noch die Ausfall Stunden
Aber ja nicht protestieren oder streiken,
am Ende setzen wir uns noch politisch ein!
Bäh bloß weg mit der Politik,
Wir sind ja nur dumm und ideologisch,
Linksgrün Versifft, da fragt sich unser eins schon noch:  hackts eigentlich bei euch?
Ihr verspielt willentlich unsre Zukunft und dass sollen wir einfach hinnehmen?
Und die gleichen Gestalten, die sich hier beschweren,
verbieten uns auch noch unsere Freiheit
im Netz, Pardon, dass heißt ja Neuland, bei euch
Und Eben jene prahlen in Diskussionen Lieber mit followerzahlen, als mit guten Argumenten…
Wir sind doch eh nur 4,5 Millionen Bots, ein
wütender Mob, der lieber brav alles hinnehmen soll…
Politik für meine Generation, nein danke…
Lieber lassen wir doch die ewig gestrigen gestalten,
Politik mit Zukunftsblick,
Ach Geh mir weg damit!
Und dann noch die Abstimmung verschieben, dass wir weiter brav gehorchen und man sich nicht um konsequenzen fürchten muss!
Das muss ein Ende haben
hört doch einfach auf,
Ihr bringt doch nichts weiter
außer Lobby Hörigkeit, Nationalismus und Gejammer
Es ist nun an uns alles zu verbessern,
Und dafür kann man auch Mal schule schwänzen
Lieber einmal keine Algebra,
Dafür in 30 Jahren noch Malaysia
Diesem Wahnsinn muss die Stirn geboten werden,
Hört doch auf Kohle zu verbrennen,
Ich meine ernsthaft jetzt, wir leben  nicht mehr 1812
Hört auf damit uns unsere Zukunft zu verbauen,
Tretet ab, und lass uns doch gestalten,
Denn schlimmer geht’s ja auch nicht mehr!

Der Landkreis Forchheim im Jahre 2044

von Martin Leipert

Kleine Warnung zuvor: Das hier ist Satire – Reale Figuren sind im Rahmen der Kunstfreiheit etwas ausgeschmückt worden. Dementsprechend ist nicht jede Zuschreibung 100% ernst zu nehmen.

Jahresrückblick – Landkreis Forchheim im Jahr 2044

Der Landkreis Forchheim im Jahr 2044. Der Klimawandel ist munter fortgeschritten, doch weil auch der Rechtsruck weiter gegangen ist, wollen manche dies immer noch nicht wahrhaben. Der Landkreis Forchheim stellt nach langer Zeit wieder einen Umweltminister und die BayernSPD ist auf Landesebene verschwunden, in den Kommunen noch immer ein Nest des Widerstandes.

Januar: Die Kandidaten für die Wahl des Forchheimer Oberbürgermeisters werden aufgestellt. Amtsinhaber Sebastian Körber möchte nicht noch einmal antreten: Nach Aufhebung der Altersgrenze für Oberbürgermeister stellen die Freien Wähler den 86-jährigen Manfred Hümmer auf. Der frisch Nominierte äußerte dazu: “Ich bin Mitglied in jedem Verein der Stadt, außerdem Forchheims renommiertester und bestaussehendster Kommunalpolitiker. Diesmal schaffe ich es – das hab ich einfach im Gefühl” so der frisch Nominierte.

Februar: In Weilersbach läutete die Mandelblüte Anfang Februar den Frühling ein. Mitte des Monats fallen zum ersten Mal seit 10 Jahren zwei Zentimeter Schnee und die Weilersbacher Mandelblüten erfrieren. Auf Forderungen der Bürgermeisterin Bettina Drummer nach finanzieller Unterstützung für die Weilersbacher Bauern reagiert AfD-Umweltminister Dominik Pflaum unwirsch: Er habe letztes Jahr bereits geholfen. In der Tat: Seitdem verrichten – dank Pflaums Engagement – abgelehnte Asylbewerber aus dem nahen ANKER-Straflager in Forchheim-Nord ihren Arbeitsdienst in Weilersbach. Sie bestäuben – nach dem Aussterben der letzten Wildbienenart – die Blüten der Mandeln mit dem Pinsel. Angesichts dessen könne Drummer von der “kleinen Konkurrenz” nicht schon wieder Forderungen stellen.

März: Nach erneuten antisemitischen Vorfällen bei Burschenschaften in Österreich greifen Kanzler Sebastian Kurz und sein Innenminister Martin Sellner von der FPÖ durch: Ab sofort sollen Burschenschafts-Liederbücher erst durch eine neuen Prüfstelle freigegeben werden. Zuständig für die Prüfung ist die “Stiftung ein Prozent”. Die Vorfälle seien “nur Einzelfälle und Burschenschaften weder antisemitisch noch rechtsextrem” sagte Sellner. Man wolle “in Österreich vermeiden dass die finanzkräftigsten Bürger abwandern” so Sellner. Schließlich braucht die österreichische Regierung weiteres Geld für die teuere Grenzsicherung.

April: Heftige Regenfälle überfluten Weilersbach. Nachdem Bürgermeisterin Drummer um Fluthilfen bittet,  äußert AfD Umweltminister Dominik Pflaum Zweifel an der Existenz des menschgemachten Klimawandels. Dieser sei eine Erfindung der Grünen und der Chinesen. Das Aprilwetter sei eben nunmal wechselhaft. Regen und Hagel seien nach einer 35°C Hitzewelle im März eine willkommene Abkühlung. Als ihm ein Pressevertreter entgegnet, dass selbst 100 Lungenärzte keine Zweifel am Klimawandel hätten, äußert Pflaum: “Die Schuld für die schweren Schäden in Weilersbach beim nahen Flugplatz Burg Feuerstein, der eine Ausgangsbasis für das von Chemtrails ist. Das in Chemtrails enthaltene Silberiodid beeinflusst bekanntlich die Regenverteilung”. Er fordere daher “eine Flakstellung in Reifenberg”, um verdächtige Flugzeuge zügig abzuschießen.

Mai: Erneute Pannenserie bei der Gräfenbergbahn. Nach einem Bluescreen des Rechners im Stellwerk Heroldsberg fallen wieder tagelang Züge aus. Gräfenbergs Alt-Bürgermeister Matthias Striebich startet eine Petition um den mittelfristig angekündigten Austausch des Stellwerkes in Heroldsberg in die Wege zu leiten. “Rechner mit dem Betriebssystem Windows 95 sind weder sicher noch zeitgemäß” so Striebich. Nach den Starkregenfällen im April sei außerdem endlich ein Ausbau der Strecke erforderlich, da der Bahndamm wieder einmal unterspült wurde. Striebich unterstreicht zum wiederholten Mal die Dringlichkeit der Maßnahme und erinnert daran, dass der Bahndamm seit den 1990er Jahren nur geflickt worden sei.

Juni: Der CSU-Landtagsabgeordnete Melix Fönius weist die Kritik der SPD-Fraktion an der schwarz-blauen Koalition im Maximilianeum zurück. Die nach Absenkung der 5% Hürde auf 2% wieder vertretende SPD Fraktion, rund um ihren jungen Fraktionsvorsitzenden Arif Tasdelen, habe “weniger Follower als ich und daher die Klappe zu halten” so Mönius. Kritik daran, dass im bayerischen Rundfunk die Sendung quer nach kritischer Berichterstattung über die AfD abgesetzt hat weist er von sich. Schließlich sei Ungarn auch ein demokratisches Land, wie dort sei auch in Bayern keine kritische Berichterstattung zur besten Sendezeit nötig. Der Meinungsvielfalt sei genüge getan wenn diese im Nachtprogramm stattfindet.

Juli: Bei einer Kundgebung in Forchheim fordert Bernd Höcke – der Familienminister der Bundesrepublik – die Anpassung der Deutschen an den afrikanischen Ausbreitungstypus. Zur Erhaltung der Wehrkraft des deutschen Volkes müsse jede Frau mindestens drei Kinder gebären. Damit auch Schwule und Lesben zur Wehrkraft beitragen könnten, fordert Höcke Homoheilungen in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufzunehmen. Dass “diesem perversen Treiben so ein Ende bereitet wird” sei ein “schöner Nebeneffekt”. Auf den darauf folgenden Sturm der Entrüstung antwortet Dominik Pflaum die Empörung sei vollkommen unangemessen und als unfairen Angriff auf die AfD. Homosexuelle seien ausschließlich von den inzwischen im Ghetto Forchheim-Nord eingesperrten Muslimen bedroht. Außerdem findet es er es unverschämt dass Höcke seine Meinung nicht sagen dürfe.

August: Die katholischen Pfarreien im Landkreis Forchheim werden auf Grund des Priestermangels zu einem einzigen Seelsorgebereich zusammengeschlossen. Der letzte Pfarrer im Landkreis wird nun von einem ständigen Diakon, werde dafür aber von zahllosen Pastoralreferentinnen und Wortgottesdienstleiterinnen unterstützt. Die Pressestelle des Erzbistum Bamberg antwortet auf die Frage nach der Aufhebung des Zölibats und der Frauenordination mit “die Frage ist dringlich und wird sobald möglich im Vatikan entschieden.” Zuerst müsse man aber die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle beenden.

September: In Kirchehrenbach beginnt die Weinlese. Die Vorsitzende des Winzerverbands Fränkische Schweiz, Anja Gebhardt vom Weingut Gebhardt in Kirchehrenbach, lobt besonders den ausgezeichneten Syrah – die wärmeliebende Sorte die einst in Südfrankreich angepflanzt wurde, bringe im warmen Kirchehrenbacher Klima auch dieses Jahr wieder Spitzenqualität hervor. Längst hätte sich die fränkische Schweiz auch für die Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot als optimales Anbaugebiet erwiesen. Lediglich die häufigen Hagelgewitter wären ein Problem.

Oktober: Bei der bayerischen Landtagswahl verliert die schwarz-blaue Koalition ihre Mehrheit. Die SPD Fraktion fällt unter die 2% Hürde. Altvorsitzender Florian Pronold kritisiert die Wahlkampfführung der SPD und meint unter ihm wäre so ein Absturz nicht passiert. Statt wie erwartet nach der Wahl die Freien Wähler mit ins Boot zu holen, entzieht Ministerpräsident Andreas Scheuer den Grünen – mit Hilfe eines von der Autoindustrie bezahlten Gutachtens – den Parteistatus und verhilft damit der CSU zur absoluten Mehrheit. Scheuer dazu “die Grünen sind wie ministrierende und fußballspielende Senegalesen, die bringt man nur mit drastischen Mitteln los”.

November: Nachdem Siemens eine weitere Stellenverlagerung nach Forchheim beginnt, verkündet Sontowski & Partner im Kellerwald Baumhäuser zu errichten. Geschäftsführer Matthias Hubert verkündet dass für die Neubürger günstiger Wohnraum von Nöten sei. Das erreiche man, indem man das bisher ungehobene Potential des Kellerwaldes nutze. Die Bäumhäuser mit einem günstigen Quadratmeterpreis von 20.000€ lägen außerdem für diese Preisklasse noch ausreichend zentrumsnah. Die dort campierenden Angestellten des Forchheimer Klinikums und der Stadtwerke werde man sozialverträglich nach Gößweinstein umsiedeln.

Dezember: 5 Jahre nachdem das Dach des maroden Königsbades eingestürzt ist, ist die Frage nach dem Schicksal der Ruine geklärt. Ein Antrag der CSU-Fraktionschefin Annette Prechtel auf den Wiederaufbau des Königsbades “das mit seiner Pannenserie wie kein zweites Gebäude für Forchheim stehe” scheitert. Stattdessen beschließt der Stadtrat die Errichtung eines Freibades. Durch den Klimawandel sei bei Außentemperaturen von durchschnittlich 10 Grad auch im Dezember Baden im Freien möglich. Das Nutzungskonzept der SPD-Fraktion konnte sich somit nach langem Ringen durchsetzen.

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