„Die Bäume leben von der Hand in den Mund“

Ist der Klimawandel bereits sichtbar im Landkreis Forchheim angekommen? Diese Frage wollten wir uns beim „Informationsrundgang | Waldschäden im Landkreis“ der Energie- und Klima-Allianz Forchheim Anfang Oktober beantworten lassen. Die Exkursion durch das Waldstück bei Pretzfeld führte die Waldbesitzervereinigung Fränkische Schweiz e.V. (WBV).

Das besichtigte Waldstück war jedoch keineswegs eine vom Borkenkäfer geplagte Fichten-Monokultur, sondern bestand aus sichtlich geschwächten Buchen.
Der Geschäftsführer der WBV, Matthias Kraft, erläuterte den Anwesenden, weshalb die Bäume sich in diesem angegriffenen Zustand befinden.

Zur Veranschaulichung nutzte er verschiedene Grafiken, welche unter anderem die Schwankung der Niederschlagsmenge in der Umgebung aufzeigten.
Obwohl sich die gesamte Niederschlagsmenge im Landkreis erhöht hat, vertrocknen die Bäume, da der Niederschlag vermehrt als Starkrregen fällt und von den Böden nicht gefasst werden kann. Die Buche benötige nämlich entgegen der allgemeinen Annahme, neben der Fichte und der Kiefer, ebenfalls viel Wasser. Sie wird jedoch weniger von den Borkenkäfern angegriffen und hat die Hitze deshalb bis jetzt besser verkraften können. Dennoch würden die Buchen dort von der Hand in den Mund leben.

„Der Klimawandel kommt. Wir sehen es am Wald, der sich schon allein in den letzten fünf Jahren so gravierend verändert hat“, so die Sprecher der WBV Fränkische Schweiz e.V. vor Ort. Die Buchen werden den Klimawandel in unseren Gefielden wohl ebensowenig wie die Fichten überstehen. Deshalb suchen die Waldbesitzer*innen jetzt schon nach Alternativen. Unter den hier heimischen Bäumen haben Edelkastanien, Feldahorn und die Elsbeere eine Chance. Ansonsten wird mit neophytischen (nicht heimischen) Baumarten wie der Libanon-Zeder experimentiert.

Der fränkische Wald muss sich also grundlegend verändern, um die kommende Zeit zu überstehen. Das heißt für alle Verantwortlichen: Die Arbeit von Generationen muss nun in kürzester Zeit durchgeführt und angelegt werden. Denn es dauert mindestens eine Generation, bis neu herangezüchtete Bäume ausreichend groß sind.

Deshalb stellen die Rehe für die zeitlich so bedrängte Waldwirtschaft ein schwerwiegendes Problem dar, da sie die jungen Triebe der Bäume abfressen und ihr Wachstum so verzögern. Die Buchen können mit den Schäden durch die Rehe leichtfertiger umgehen und schneller wieder austreiben, als andere klimaresistentere Baumarten. Deshalb spricht sich die WBV Fränkische Schweiz e.V. für eine Forcierung der Bejagung des Rehbestandes aus.

Die Wälder sind aber nicht nur ein Opfer des Klimawandels, sondern auch ein wichtiges Werkzeug zu dessen Lösung! Denn sie sind hervorragende CO2-Speicher und müssen deshalb bewirtschaftet und gepflegt werden. Laut WBV wären Nationalparks hier nur bedingt eine Lösung, da das Holz dort ohne den Eingriff des Menschen natürlich verrotten und dadurch CO2 freisetzten würde, anstatt es zu binden.

Die Lösung zur Vorbereitung der Wälder auf den bevorstehenen Klimawandel läge auch bei vielen Idealist*innen unter den Privatwaldbesitzer*innen. Sie müssten im eigenen Versuch ausprobieren, welche Baumarten den neuen Klimabedingungen standahalten könnten und entsprechende Versuchsflächen in ihren Wäldern anlegen.

Matthias Kraft (WBV Fränkische Schweiz e.V.) warnt vor den Auswirkungen des Klimawandels im Landkreis Forchheim

Falls ihr noch mehr über den Kampf gegen den Klimawandel im Landkreis Forchheim erfahren wollt, schaut doch mal bei der Energie- und Klima-Allianz Forchheim vorbei. Falls ihr mehr über die Arbeit der Waldbesitzervereinigung Fränkische Schweiz e.V. erfahren wollt, ist deren Website sicherlich einen Besuch wert.

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